Wattenmeer

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1,5 Millionen Vögel im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Von Mitte August bis Anfang September, erreichen die Vogelzahlen im Wattenmeer ihr jährliches Maximum. Etwa eineinhalb Millionen Vögel halten sich allein im schleswig-holsteinischen Teil auf, vier Millionen im gesamten Wattenmeer. Grund dafür ist der Beginn des herbstlichen Vogelzuges. Zusätzlich zu den Brutvögeln der Küste, wie Austernfischer (Haematopus ostralegus) und Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) mit ihren erwachsenen Jungen, beherbergt das Watt dann auch Gäste aus arktischen Regionen und deren Nachwuchs. Für sie alle ist das Wattenmeer mit seinem reichen Nahrungsangebot an Würmern und Schnecken oder dem Seegras für die "Vegetarier" lebenswichtig. Dies war einer der Gründe, das Gebiet zum Nationalpark zu erklären.

Jeder weiß, dass Storch Adebar sich, nachdem er in unseren Gefilden seine Jungen großgezogen hat, im Herbst aufmacht, um den Winter in Afrika zu verbringen. Auch viele Singvögel wie z. B. die Singdrossel ziehen im Winter gen Süden. Weniger bekannt ist dagegen die Tatsache, dass das Phänomen des Zuges zum Brutgebiet im Frühjahr und zum Winterquartier im Herbst auch bei Wasservögeln verbreitet ist.

Der Herbstzug beginnt schon im Juli. Dann neigt sich der kurze arktische Sommer dem Ende zu. Die Vögel, die in der Tundra die Mitternachtssonne genutzt haben, um innerhalb weniger Wochen ihre Jungen mit den Larven der zahlreichen Mücken aufzuziehen, machen sich nun wieder auf den Weg in ihre Überwinterungsgebiete. Einer der häufigsten ist der Knutt (Calidris canutus). Etwa 400.000 dieser amselgroßen Watvögel rasten in jedem Spätsommer im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Ein ebenfalls sehr häufiger Gast aus der Arktis ist der Alpenstrandläufer (Calidris alpina). Fast eine halbe Million Individuen dieses kleinen Watvogels nutzen das schleswig-holsteinische Wattenmeer als Rastgebiet.

Zu den Brutvögeln des Nationalparks gehört die Küstenseeschwalbe (Sterna paradisaea). Diese eleganten Flieger sind jetzt schon zum größten Teil abgezogen, denn sie überwintern vor den Küsten Chiles und Südafrikas, teilweise bis an die antarktische Packeisgrenze. 30.000 Kilometer legen sie so in jedem Jahr ihres Lebens zurück.

Feuchtgebiete mit so gutem Nahrungsangebot wie im Wattenmeer gibt es nur an wenigen Orten der Welt. Die Zugvögel müssen deshalb große Strecken nonstop zurücklegen. So fliegen viele der hier rastenden Knutts die 4000 Kilometer von der Taymir-Halbinsel in Sibirien bis ins Wattenmeer ohne Zwischenlandung. Nach ihrer Rast im Nationalpark müssen sie auch die 6000 Kilometer zu ihren Überwinterungsgebieten an der westafrikanischen Küste ohne Rast schaffen - bei einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 65 Kilometern pro Stunde ein Flug von vier Tagen und vier Nächten. Ihr Energiespeicher ist dabei das Fettpolster, das sie sich im Wattenmeer-Nationalpark angefressen haben: bei ihrer Ankunft wiegen sie nur etwa 100 Gramm, beim Abflug dagegen über 200 Gramm. Bei ihrer Ankunft in Mauretanien haben sie wieder ihr Minimalgewicht erreicht. Es ist für die Vögel daher äußerst wichtig, dass sie die drei Wochen ihres Aufenthaltes im Wattenmeer ungestört zum Fressen nutzen können, damit sie jeden Tag fünf Gramm zunehmen – "Das wäre so, als würde ein erwachsener Mann täglich vier Kilogramm zunehmen", erklärt Bernd Hälterlein, Vogel-Experte vom Nationalparkamt. Werden die Vögel aufgescheucht, so verbrauchen sie Energie, die ihnen später beim Zug möglicherweise fehlt.

Ein ebenfalls Kräfte zehrender Prozess, für den viele Vögel die Rast nutzen, ist der Wechsel des Gefieders vom prächtigen Brut- ins schlichte Winterkleid, die so genannte Mauser. Besondere Bedeutung als Mauserplatz hat das Wattenmeer für die Brandgans (Tadorna tadorna). Fast der gesamte europäische Bestand versammelt sich vor der Insel Trischen und in der Elbmündung, um das Gefieder zu wechseln – rund 200.000 Tiere. Auch der Knutt wechselt zu dieser Jahreszeit sein Gefieder.

Die Vögel brauchen viel Ruhe zum Mausern und Fressen. Deshalb apellieren das Nationalparkamt und die Naturschutzverbände an alle Vogelfreunde, das Spektakel aus sicherer Entfernung zu bewundern. Mit einem Fernglas ist es in der Regel kein Problem, trotz "Sicherheitsabstand" noch Details zu erkennen. Am besten kann man die Vögel bei Hochwasser beobachten, wenn sie sich nicht zum Fressen im Watt aufhalten können und sich auf die wenigen Rastplätze im Vorland konzentrieren. Im Vorland der Friedrichskooger Halbinsel in Dithmarschen gibt es gute Beobachtungsmöglichkeiten, ebenso im Vorland von Westerhever auf Eiderstedt und auf der Hamburger Hallig in Nordfriesland. Auch an binnendeichs gelegenen Speicherbecken wie dem Meldorfer Speicherkoog, dem Katinger Watt, dem Beltringharder Koog und dem Hauke-Haien-Koog

 

 


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