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Vor Erreichen des Südkaps von Svalbard steht der Besuch eines großen Gletschers auf unserem Programm. Das Wetter ist
dauerhaft schlecht. Wir wollen aber endlich mit den an Deck festgezurrten Zodiaks, großen wendigen Schlauchbooten, zu Landausflügen aufbrechen. Warm angezogen, mit Regenzeug und Schwimmwesten gesichert,
geht es los. Eine Landung in der Nähe des Gletschers ist jedoch wegen des unruhigen Wassers nicht möglich. So kurven wir bei Nieselregen im Nebel um azurblaue Gletschereisberge herum, die vor der
Abbruchkante des Gletschers im Wasser dümpeln.
Am nächsten Morgen erreichen wir in Ostspitzbergen die Insel Edgeöya. Während eines mehrstündigen Landausfluges lernen wir
die eindrucksvolle Pflanzenwelt des einsamen Eilands kennen. Jeder der zum ersten Mal den hohen Norden erlebt, ist fasziniert von den winzigen buntblühenden Pflanzen der sonst so kargen Arktis. Wir sehen
Wirbelknochen von Walen, es sind Relikte aus der Walfangzeit. Im Laufe der Jahrzehnte wurden sie von Flechten und Blumen besiedelt. Ganz besonders beeindruckend ist die Stille, die ich auf Svalbard
erlebe. Nur wenige Geräusche erfüllen die Arktis. Da hört man in der Nähe von Gletschern ein leises Knistern, das beim Schmelzen von Gletschereis im Wasser entsteht. Oder das Krachen kalbender Gletscher.
Außerdem den Wind und die Stimmen einiger Vogelarten, die im Sommer im hohen Norden leben.
Langsam lichtet sich der dichte Küstennebel, als wir die Tafelberge an der Südspitze Edgeöyas passieren, um den
fünfunddreißig Kilometer breiten Tjuvfjord zu überqueren. Dort wollen wir in der Nähe einer kleinen Insel die Nacht über ankern. Der Tjuvfjord ist fast vollständig mit Treibeis bedeckt! Ein herrlicher
Anblick, doch kommen wir dort weiter? Die "Polarstar" ist ein eisgängiges Schiff und das Treibeis stellt für sie kein unüberwindliches Hindernis dar. Am Nachmittag entdecken wir endlich ein auf
dem Eis liegendes Walroß. Es läßt sich einige Minuten beobachten, bevor es lautlos in das dunkle Wasser gleitet.
In der taghellen arktischen Nacht landen wir mit den Schlauchbooten an der Küste bei Andretangen. Dort besuchen wir eine alte
Polarhütte, die für Überwinterungen benutzt wurde und jetzt noch gelegentlich im Sommer bewohnt wird. Wie klein und bescheiden sind diese Behausungen in der endlosen arktischen Wildnis. Die Hütte ist
karg ausgestattet und so gut wie möglich gegen die Kälte isoliert. Fenster und Türen sind zum Schutz vor unerwünschtem Bärenbesuch verstärkt gesichert. In einer Ecke steht ein kleiner Metallofen. Außen
ist das Bauwerk mit kräftigen Treibholz-Baumstämmen gegen Stürme abgestützt.
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