NP Berchtesgaden
Morgenstimmung am Hintersee - Berchtesgaden
Nationalpark wird 2008 dreißig Jahre alt
Der einzige alpine Nationalpark Deutschlands begeht am 1. August 2008 sein 30jähriges Bestehen. Der Grundgedanke, ein Gebiet mit faszinierender Naturausstattung sich selbst zu überlassen, war für viele Menschen im Jahr 1978 neu und gewöhnungsbedürftig. Man hatte sich einiges vorgenommen, sollte es doch im Nationalpark nicht nur um Umweltschutz, Forschung und Bildung sondern auch um Erholungsmöglichkeiten für viele Menschen gehen.
Die Schönheiten dieses Nationalparks zu beschreiben ist kaum nötig. Fast jeder kennt die Kalenderfotos und Postkartenmotive des Königssees und der berühmten Kirche St. Bartholomä. Jetzt kommt das Beste: es ist noch viel schöner dort! Ich war bereits bei meinem ersten Fototrip nach Berchtesgaden restlos begeistert und schob deshalb gleich noch ein paar Tage im Herbst nach. Man findet als Fotograf eine reiches Betätigungsfeld in Berchtesgaden.
Mit dem Auto lassen sich (einerseits zum Glück) die wenigsten Ziele im Nationalpark erreichen. Und nur den Jenner kann man bequem mit einer Seilbahn erobern. Wer den Nationalpark Berchtesgaden fotografisch entdecken will, muss sich auch auf längere Wanderungen einstellen. Eine entsprechende Ausrüstung, vor allem im Sommer mit ausreichendem Wasservorrat, und eine guten Kondition, ist von Vorteil. Vernünftige Wanderschuhe sind ebenfalls Pflicht. Mir sind immer wieder leichtsinnige Wanderer mit Sandalen, Schläppchen und anderen ungeeigneten Schuhen begegnet.
Am Jenner
Königssee und Jenner
Der acht Kilometer lange und bis zu 200 Meter tiefe Königssee ist für die meisten Besucher das Highlight des Nationalparks. An Bord umweltfreundlicher Elektroboote können sie den See erkunden. Wer noch vor 9 Uhr morgens fährt, kann sogar bares Geld sparen. Unbedingt empfehlenswert ist die Fahrt bis Salet und zurück. Dabei kann man in Bartholomä unterbrechen oder erst auf der Rückfahrt dort Station machen. Vom Anleger Salet ist nach einem 15minütigen Spaziergang der idyllische Obersee zu erreichen. An der rechten Seeseite führt ein Weg in ungefähr 45 Minuten zur Fischunkelalm. Von dieser Alm aus hat man einen wirklich beeindruckenden Blick zurück über den See und zum Watzmann. Geübte und ausdauernde Wanderer können von der Fischunkelalm aus zu weiterführenden Touren aufbrechen.
Die Kirche St. Bartholomä ist neben dem Watzmann das bekannteste Fotomotiv der Region. Wenn man sich auf den Booten in Fahrtrichtung rechts setzt, kann man Bartholomä bei der Anfahrt vom Wasser aus fotografieren. (Im Juli erreicht die Sonne die Kirche gegen 9 Uhr 30). Von Bartholomä aus sind Touren zum Steinernen Meer möglich. Empfehlenswert ist der einstündige Weg mit mäßigem Anstieg zur sogenannten „Eiskappelle“. Dabei handelt es sich um Schneereste unterhalb der Watzmann-Ostwand, die auch im Sommer nicht ganz abtauen.
Im Herbst kann man übrigens an den Ufern des Königssees von der Wasserseite aus wunderbare Bilder der prächtig gefärbten Bergmischwälder machen.
Hoch hinaus
Imposante Landschaftsbilder sind vom Gipfel des Jenner aus möglich. Mit der Jennerbahn fährt man dazu in einer halben Stunde zum Gipfelbereich. Von dort aus bietet sich ein fantastischer Blick auf den Königssee und Teile des Nationalparks. Eine lohnenswerte Wanderung führt zum Schneibsteinhaus. Dort sind Beobachtungen von Steinböcken und Murmeltieren möglich.
Im Wimmbachtal
Die Landschaft des Wimmbachtales wird geprägt durch einen mächtigen, mehr als zehn Kilometer langen Schuttstrom. Starke Niederschläge können Teile davon in Bewegung bringen, so dass sich das Landschaftsbild oft verändert. Zu Beginn einer Wanderung in das Wimmbachtal empfiehlt sich ein Abstecher in die Wimmbach-Klamm mit ihren tosenden Wassermassen. Nach der Klamm geht es stetig ansteigend über das Wimmbachschloß insgesamt neun Kilometer ins Wimmbachtal hinein zur Wimbachgrieshütte. Insgesamt eine schöne Wanderung durch die geologische Erdgeschichte und eine eindrucksvolle Bergwelt. Eine größere Klamm gibt es in der Nähe von Berchtesgaden in Marktschellenberg: die Almbachklamm. Nach der fotografischen Erkundung dieser drei Kilometer langen Klamm empfiehlt sich der Besuch der Kugelmühle neben dem gleichnamigen Gasthaus. Die Kugelmühle gibt es seit mehr als dreihundert Jahren, sie ist heute die letzte Deutschlands. In der Mühle werden wunderschöne Marmorkugeln hergestellt, die sehr dekorativ sind.
Hintersee und Klaustal
Am frühen Morgen, wenn Dunst über dem spiegelglatten Wasser liegt und das Licht der aufgehenden Sonne die Spinnennetze glitzern läßt, ist es am Hintersee am schönsten. Der zweitgrößte Berg des Nationalparks, der Hochkalter, spiegelt sich im Wasser. Von der Nationalpark-Informationsstelle Hintersee aus führen Wanderwege in das zirka sieben Kilometer lange Klausbachtal. Das Tal ist geprägt von Wäldern und steil aufragenden Felswänden. Beliebtes Ausflugsziel ist vor allem die Bindalm mit ihren Almhütten. Der Weg zur Bindalm verläuft erst gemächlich, dann aber stetig ansteigend durch Wald. Man kommt auch an einem großen Felssturz vorbei, der 1999 mit seinen gigantischen Geröllmengen das Landschaftsbild veränderte. Kurz nach der Bindalm erreicht man die österreichische Grenze am Hirschbichlpass. Linienbusse verkehren in der Zeit von Mai bis Oktober im Klausbachtal, so dass man die Wanderung an drei Haltestellen abkürzen kann.
Die schönste Zeit für einen Besuch im Nationalpark ist, wenn das Wetter passt, der Herbst. Die intensive Laubfärbung, blauer Himmel und vielleicht schon etwas Schnee auf den Bergspitzen sind einmalig schön. Natürlich lohnt sich ein Besuch in der Nationalparkregion zu jeder Jahreszeit. Und das nicht nur aus fotografischer Sicht. Christoph Becker
Weitere Infos:
www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de
www.berchtesgadener-land.info











