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Interview mit Jens Kuhfs

Die Azoren sind mein Lieblingsziel

Jens Kuhfs

Wie lange arbeiten Sie schon als Unterwasserfotograf und wie kam es dazu?
Ich arbeite seit 10 Jahren als Unterwasserfotograf. Während meines Studiums lief es im Jahre 1993 überhaupt nicht so gut und ich bin damals einfach in ein Reisebüro bei Mainz gegangen mit der Bitte: „Muss weg – dringend!“ Ich sagte noch, ein Arbeitskollege meines Vaters taucht gerne und in Darmstadt wo ich studiere ist so ein Tauchladen, vielleicht könnte man irgendwo einen Tauchkurs machen. Nach ein paar Minuten war meine erste Maledivenreise gebucht. Bei dem Tauchkurs stellte ich mich ziemlich hilflos an. Der Tauchlehrer riet mir, besser nur zu Schnorcheln. Ich würde die grundlegenden Zusammenhänge des Tauchens nicht verstehen und könnte diese auch nicht so gut umsetzen. Nur widerwillig stellte er mir den Tauchschein aus, er hatte ernsthafte Bedenken. Nur gut, dass ein Fotograf mit auf der Insel war und ich es „cool“ fand, wie er jeden Morgen mit seiner Nikonos-Kamera zum Tauchen ging.

Das wollte ich auch mal ausprobieren, aber wie lerne ich nur das Tauchen dafür!? Ich flog daraufhin in die Karibik, Malediven, Australien, … und lernte Tauchen um unter Wasser fotografieren zu können. Erst nachdem ich ein „Taucher“ geworden war, begriff ich auch die einzigartige Unterwasserwelt zu sehen und wahrzunehmen. Das war für mich Ansporn genug, die Nikonos-Kamera nicht nur ausprobieren zu wollen!

Welche Tierart und welches Tauchrevier gefällt Ihnen am besten?
Mich interessieren besonders Delfine und Wale. Das Tauchrevier der Azoren ist mein absolutes Lieblingsziel dafür.

Können Sie ein besonderes Erlebnis mit Unterwassertieren schildern?
Das Schwimmen bzw. Schnorcheln in einer Gruppe von Langflossen-Grindwalen (Azoren). Ich konnte mehr als eine Stunde mit den Jung- und Alttieren in dieser Gruppe sein. Kein Mitglied der Gruppe betrachtete mich als Fremden. Es war wie ein großes Familientreffen und ich war der Gast.

Mit welchen Problemen hat man als Unterwasserfotograf zu tun?
Die Übergepäckkosten bei den Airlines. Ich bin ständig auf der Suche nach der Möglichkeit Flugmeilen zu sammeln, damit ich Upgrades in die Business bzw. First Class bei den Airline-Verbünden „One world“ und „Star Alliance“ durchführen kann. Je höher die Klasse, umso mehr Gepäck kann man mitnehmen und die Airlines sind bei den zusätzlichen Kosten dann gesprächsbereiter.

Japan Airlines ist mir bei dem Thema „Übergepäck“ besonders positiv aufgefallen. Aber auch sonst kann ich diese Airline in Richtung Asien und in Asien nur empfehlen. Ich kann schließlich nicht jeden Flug mit Meilen bezahlen und wenn ich ein Ticket kaufe, dann ein Ticket von Japan Airlines.

Jens Kuhfs auf den Malediven

Kombination Seacam und Nikon

Beschreiben Sie doch bitte Ihre Ausrüstung.
Im Zuge der digitalen Fotografie musste man umdenken. Es wird keine digitale Unterwasserkamera geben, sondern nur noch Unterwassergehäuse für den jeweiligen Kameratyp. Ich entschied mich für die Kombination Seacam und Nikon. Unter Wasser nutze ich Blitzgeräte von der Firma Inon (Modelle Z220 und Z240). Der Hauptgrund warum ich Inon Blitzgeräte nutze, ist das geringe Gewicht und die geringe Größe.

Die Beschäftigung mit Umweltfragen hat für Sie bestimmt Priorität.
Ständig – aber es ist ein Kampf gegen Windmühlen und das große Missverständnis der Menschen, was Mutter Natur für uns bedeutet. Der Versuch, den Walfang wieder kommerzialisieren zu wollen, ist für mich sehr deprimierend. Es ist auch klar, ärmeren Ländern mehr Spielraum geben zu müssen, weil sie sich den „Luxus“ Umweltschutz nicht leisten können. Und Nationen wie Norwegen und Japan sind nicht auf Walfleisch angewiesen.

Im Gegenteil – Norwegen hat mit die besten Fischfarmen und die natürlichen Fischbestände könnten so noch mehr geschont werden. Hat es eine so große und stolze Nation wie Japan nötig, sich ständig an den Pranger stellen zu lassen, selbst wenn man aus ihrer Sicht im Recht ist. Der Sympathiegewinn für Japan wäre enorm, aber im Moment ist die Sturheit, das Gesicht bewahren zu wollen, noch höher. Ohne japanische Technik könnte ich auch keine Delfine und Wale fotografieren. Ich gehe davon aus, dass nur wenige Naturfotografen keine japanische Fototechnik nutzen. Zum Thema Umwelt könnte ich noch sehr viel mehr sagen und mich auch sehr unbeliebt machen.

Welche Veränderungen bemerken Sie in den letzten Jahren in den Tauchrevieren?
Das Verhalten der Tiere verändert sich und auch die Vielfalt wird weniger. Die positiven Effekte durch den Tourismus – „Schutz der Arten weil die Touristen die Tiere sehen wollen“ – schlägt manchmal in Massentourismus um und beeinträchtigt die Gewohnheiten der Tiere. Trotzdem ist auch dieser Tourismus wichtig, weil es ohne diese „Massenlobby“ überhaupt kein Interesse für die Natur geben würde. Das ist paradox, aber ich denke, dass nur die wirtschaftliche Macht der Tourismusbranche den Tieren indirekt helfen kann.
Erst wenn man mit Umweltschutz Geld verdienen kann und man verstehen wird, dass die Folgen einer zerstörten Umwelt noch teurer werden könnten plus von der Natur zu lernen Kosten zu sparen (z.B. Flugzeugbau/Strömungstechnik durch die in Millionen Jahren erprobte Haihaut), erst dann wird es Naturschutz geben.

Naturschutz aus Liebe zur Natur wird es nie geben – so naiv kann man nicht sein, um daran zu glauben.

Können Sie etwas über Ihre nächsten Projekte sagen?
Azoren für Bartenwale und Mexiko für gestreifte Marline

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