Die beste
Zeit für tierfotografische Exkursionen in diesen bedeutenden afrikanischen Nationalpark ist von April bis September.
Im April, also zum Ende des Südsommers, ist noch alles grün und man muss mit
vereinzelten Regentagen rechnen. Die Tiere sind in dieser Zeit noch nicht alleine auf die Tränken angewiesen, weil sie auch an anderen Stellen Wasser finden. In dieser Zeit sollte man mit dem Wagen
unterwegs sein, um die Tiere zu finden. Natürlich ist auch das Ansitzen an den Wasserstellen sehr wichtig, beide Möglichkeiten führen zum Erfolg. Auch in Etoscha bedeutet Tierfotografie früh aufstehen. Um
5 Uhr klingelte regelmässig der Wecker. Nach einem kurzen Frühstück ging es dann sofort los. So kann man mit etwas Glück die kurze Zeit mit dem schönsten Morgenlicht erfolgreich nutzen.
Da die
Tierfotografie in Etoscha nur vom Fahrzeug aus möglich ist, wird der Fotograf auf eine lange Sitzprobe gestellt. Mittags viele Kilometer zu den Camps zurück zu fahren lohnt nicht. Also verbringt man den
ganzen Tag lieber gut ausgestattet im Auto. Wir haben für unsere Tour einen VW-Bus gewählt. Die höhere Sitzposition und das größere Platzangebot waren uns wichtig. Reichlich mit Getränken und Proviant
ausgestattet kann man den Tag gut aushalten. Schatten ist in dieser Landschaft nicht besonders häufig anzutreffen, daher wird es immer sehr warm im Auto. Wenn alle Fenster geöffnet sind, its es kein Problem.
Doch wir wollen uns ja wohl auch nicht über das Wetter oder die Temperaturen beschweren. In diesen Augenblicken sollte man sich einfach kurz das heimische Klima in Erinnerung rufen.
Ein kleines Problem hat
man unter Umständen doch: In Etoscha darf natürlich niemand das Auto verlassen und Toiletten gibt es nur an wenigen, meist kilometerweit entfernten Stellen. Hier ist also etwas Training gefragt.
Das Warten
Warten ist die Lieblingsbeschäftigung aller Naturfotografen. Ob bei den Bären im Bayerischen Wald oder den Elefanten in Etoscha - Warten ist immer angesagt. Und es kann lange dauern oder
ganz kurz, wenn der Fotograf Glück hat. Wir haben stets zu zweit gewartet. Dann kann einer ein Nickerchen machen und den anderen (gegebenenfalls :o) wecken, wenn sich etwas tolles ereignet. Soetwas kann ganz
schnell gehen!
Nach vielen ereignislosen Stunden hatten wir an der Wasserstelle Rietfontain eigentlich keine Hoffnung mehr, dass sich etwas wichtiges ereignen würde. Doch dann: Aus dem Busch tauchte
plötzlich eine Gruppe von 35 bis 40 Elefanten auf. Mit zunehmendem Tempo stürmten sie in Staub gehüllt die Wasserstelle. Die Tiere teilten sich dabei in zwei Gruppen, die von beiden Seiten an die
Wasserstelle heranliefen. Wenig später waren die Elefanten fast alle im Wasser, um zu Baden und zu Trinken. Das ganze Spektakel wurde von lautem Trompeten begleitet. Nach wenigen Minuten verliessen die Tiere
bereits wieder das Wasser und verschwanden, genau so schnell wie sie gekommen waren, im Busch.
Unsere Kameramotoren liefen in dieser Zeit heiß und die belichteten Filmrollen flogen nur so durch den Wagen.
Dieses Erlebnis war eines der Highlights, von denen Tierfotografen so lange zehren.
Geduld und Glück sind also neben den fototechnischen Kenntnissen wichtig für gute Tierfotos. Ausserdem muss der Fotograf
sein Auge in der für ihn neuen Umgebung schulen. Als Afrikaneuling konnte ich bei mir beobachten, dass ich manchmal etwas nicht gesehen habe, weil ich es noch nicht zu sehen "gelernt" hatte. Wie
unauffällig zum Beispiel ein Schabrackenschakal zusammengerollt in fast vegetationsloser Landschaft daliegen kann. Und die Tüpfelhyäne, die plötzlich wie aus dem Boden gewachsen vor unserem Auto stand,
hatten wir vorher nicht gesehen. Sie musste sich aber in unmittelbarer Nähe aufgehalten haben.
Was der Fotograf braucht
Ausreichend Zeit. Wenn Sie sich intensiv mit der Tierwelt in Etoscha
beschäftigen möchten, tun Sie das möglichst alleine oder eben zusammen mt einem Fotokollegen. Nehmen Sie sich soviel Zeit wie möglich. 14 Tage nur in diesem Nationalpark sind schon mal eine gute Zeit. Wenn
Sie mit sechs anderen Reisenden in einem Fahrzeug sitzen müssen, und nach einer halben Stunde schon der erste fragt, wann es denn weitergeht, sind Sie im falschen Programm. Für gute Tierfotos müssen sie viel
Zeit investieren.
In kaum einem afrikanischen Land ist alles so gut organisiert und in einem europäischen Standard anzutreffen, wie in Namibia. Eine individuell durchgeführte Reise ist deshalb problemlos
zu realisieren.
Die technische Seite
Ein gutes Autoscheibenstativ ist wichtig und eine ausreichende Menge Filmmaterial, am besten erheblich mehr, als eigentlich geplant. Actionszenen
bekommt man nur in den Griff, wenn man Filmmaterial investiert. Denn auf dem heimischen Leuchttisch kommt garantiert die Ernüchterung. Denken Sie daran, Filmmaterial ist mit Sicherheit der preiswerteste
Posten einer aufwendigen Fernreise. Also nicht am falschen Ende sparen!
Christoph Becker